«Mes amis de la table ronde»

Seit das Schweizer Fernsehen die Sendung «Alpenfestung – Leben im Réduit» ausstrahlte, ist der Begriff ‚Anbauschlacht‘ wieder in aller Munde. Die Behauptung, wonach der FC Blau-Weiss Oberburg ein Produkt der Anbauschlacht sei, mag zwar etwas gar abenteuerlich klingen, ist aber trotzdem nicht ganz von der Hand zu weisen. Während des Zweiten Weltkrieges wurde zur Ausdehnung des Ackerbaus durch Rodungen Land gewonnen. So beispielsweise auch im Schachen, unweit des Restaurants Lochbachbad in Oberburg. Nach dem Kriegsende beschloss die Einwohnergemeinde Oberburg, das gerodete Schachenland als Sportplatz zu nutzen.

 

Aus den «Jordan-Kickers» wird der FC Blau-Weiss Oberburg

Wir schreiben das Jahr 1972. Das Restaurant Lochbachbad erlebt unter der Führung von Eduard und Frieda Zürcher seine Hochblüte. Zu den Stammgästen zählt unter anderen auch eine Clique von dreizehn jungen Männern, die neben ihren geselligen Wirtshausrunden noch eine andere Leidenschaft verbindet: Den Fussball! Vor und nach jeder Trainingseinheit trifft man sich bei Zürchers am Stammtisch. Sportplatz und Restaurant liegen gerade mal zwei Steinwürfe voneinander entfernt, allein getrennt durch die Emme. Bei den jungen Kickern bürgert sich darum beim Verlassen des Lochbachbads schon bald die Redewendung ein‚ «über den Jordan zu gehen, um Fussball zu spielen». Unter dem klingenden Namen «Jordan-Kickers» nehmen die fussballbegeisterten Oberburger regelmässig an Grümpelturnieren teil. Die Wirtsleute raten zur Gründung eines Vereins. Von der Idee begeistert, melden sich die dreizehn Männer als «Jordan-Kickers» beim Schweizerischen Fussballverband als neuen Verein an. Weil der Begriff ‚Jordan‘ seinen Ursprung in der Bibel hat, wird der Name vom Verband nicht akzeptiert. Einen FC Oberburg jedoch gab es bereits in früheren Jahren, beim Fussballverband mit Schulden belastet. So entscheiden sich die Fussballpioniere aus Oberburg für das Präfix ‚Blau-Weiss’, in Anlehnung an das blau-weiss gestreifte Dress, welches Zürchers sponserten.

 

Rasanter Zuwachs

Viel Wasser ist in den nahezu 40 Jahren seit der Vereinsgründung die Emme hinunter geflossen. Indes ist der FC Blau-Weiss Oberburg prächtig gediehen. Ist er während der neunziger Jahre noch als sogenannte Liftmannschaft in der dritten und vierten Liga unterwegs gewesen, hat sich die erste Mannschaft inzwischen in der dritten Liga 1. Stärkeklasse etabliert. Mit 80 Aktivmitgliedern und 180 Junioren ist der Klub innerhalb der letzten zehn Jahre um 120, bzw. 250 Prozent gewachsen. Als erster Club in der Schweiz haben die Oberburger 1996 eine Behindertenmannschaft integriert und mit umliegenden Institutionen eine eigene Meisterschaft auf die Beine gestellt. Seit drei Jahren gehört ebenfalls eine Frauenabteilung zum Klub. Auch neben dem Spielfeld hat die Vereinsführung die Geschäfte geschickt und wirtschaftlich erfolgreich geleitet. Stellvertretend für diese positive Entwicklung stehen drei Namen: Seit bald zehn Jahren präsidiert Adrian Stalder den Verein. Unter seiner Führung hat der Verein früher nie dagewesene Erfolge erreicht. Der zweite im Bunde ist Spikopräsident und Tausendsassa Samuel Jordi. Beide sind gebürtige Oberburger und seit den F-Junioren Vereinsmitglieder. Komplettiert wird das Trio mit Massimo Cappellano, dem ehemaligen Trainer der ersten Mannschaft. Unter seiner Armada ist das Team binnen vier Jahren nicht nur zwei Mal aufgestiegen, nein, er hat es sogar geschafft, aus der Vielzahl von Individualisten eine homogene Gruppe zu formieren. Seit etwas mehr als einem Jahr ist Massimiliano Marulli für das Fanionteam verantwortlich. Er hat die Mannschaft diesen Sommer erstmals zum Sieg des «Derby-Cup», einem lokalen 3.-Liga Turnier geführt. Gemeinsam mit ihren Töchtern und Schwiegersöhnen, zwei ehemaligen «Jordan-Kickers», besucht die einstige Lochbachbad-Wirtin Frieda Zürcher noch immer fast jedes Heimspiel. Im Kreise der Familie fiebert sie an der Seitenlinie mit, wenn ihre Enkel um Punkte kämpfen…

 

September 2009, mk

 

Böse Zungen behaupten, die Blau-Weiss-Gründer

hätten das Lochbachbad mindestens so regelmässig

besucht wie das Training